Aktuelles



Wie immer präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle Berichte und Pressemeldungen, die sich mit unserer Studie auseinandersetzen.

In diesem Kapitel möchten wir Ihnen einen umfassenderen Eindruck vom Themenspektrum des SOEP vermitteln. Es gibt inzwischen kaum ein Thema, das hier nicht behandelt wird - schließlich soll die Untersuchung ja das LEBEN IN DEUTSCHLAND in seiner ganzen Bandbreite widerspiegeln.



Wissenschaftsrat würdigt das Sozio-oekonomische Panel

Zu Beginn berichten wir Ihnen kurz in eigener Sache: Wir dürfen immerhin stolz darauf sein, dass der Wissenschaftsrat - das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland - unserer Untersuchung nach eingehender Prüfung durch ein international besetztes Gutachtergremium wissenschaftliche Exzellenz bescheinigte (November 2009).

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, betonte bei Präsentation der Evaluationsergebnisse, wie wichtig es sei, das SOEP weiter zukunftsfähig zu machen: "Ähnlich wie verbesserte Weltraumteleskope ein zunehmend detailierteres Bild der Zusammensetzung und Dynamik ferner astronomischer Objekte vermitteln, werden diese methodischen Neuerungen eine genauere Untersuchung der Zusammensetzung unserer Gesellschaft und des Wandels der Lebensbedingungen der Bürgerinnen und Bürger im Zeitverlauf ermöglichen."

Gern zitieren wir für Sie auch andere Stimmen aus der deutschen Forschungslandschaft, die die Würdigung des SOEP kommentieren:

Ulman Lindenberger, Professor für Psychologie und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin kommentierte die Würdigung des SOEP mit den Worten: "Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats zum SOEP sind ein Glücksfall für die Forschung in Deutschland."

Heike Solga, Professorin für Soziologie an der FU Berlin und Direktorin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) meinte: "Für die Sozial- und Bildungsforschung in Berlin und auch in der gesamten Leibniz-Gemeinschaft ist das SOEP eine äußerst wichtige Datengrundlage."

Thomas Bauer, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum: "Die Bedeutung des SOEP für die empirische wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung sowie die evidenzbasierte Politikberatung kann nicht häufig genug betont werden. Die Verfügbarkeit dieses Datensatzes für die internationale Wissenschaft hat erheblich zum Erkenntnisfortschritt beispielsweise zur Integration von Minderheiten, der Funktionsweise des Arbeitsmarktes und der Wirksamkeit insbesondere arbeitsmarkt-, familien- und bildungspolitischer Maßnahmen beigetragen."



Trend zur Privatschule?

Im Herbst 2009 erschien ein SOEP-basierter Wochenbericht des DIW Berlin, der einiges Presseecho auslöste, da er sich mit dem immer aktuellen Thema Bildung beziehungsweise Schulbildung befasst. Der Beitrag titelte "Der Trend zur Privatschule geht an bildungsfernen Eltern vorbei" (DIW Wochenbericht 38/2009). Neben der Tatsache, dass der Anteil von Kindern, die eine Privatschule besuchen, in den vergangenen Jahren stark angestiegen ist, konnte mit einem gängigen Klischee aufgeräumt werden: Es stimmt nicht, dass nur reiche Eltern ihre Kinder auf Privatschulen geben. Stärker als das Einkommen hängt die Entscheidung für eine Privatschule vom Bildungsniveau der Eltern ab. So stammen nahezu 60 Prozent aller Privatschüler aus Haushalten, in denen mindestens ein Elternteil Abitur hat. In bildungsferneren Familien hingegen liegt das Interesse, die Kinder auf eine Privatschule zu schicken, seit 15 Jahren auf dem gleichen (niedrigen) Niveau. Man sollte dabei jedoch berücksichtigen, dass das Klischee von den reichen Privatschülern insofern auf den Blickwinkel bildungsferner Eltern durchschlägt, als ihnen mehrheitlich gar nicht bekannt ist, dass der Besuch privater Bildungseinrichtungen oft längst nicht so teuer ist, wie allgemein angenommen.



Bildungsungleichheit oder Chancenungleichheit?

Im April 2009 wurde im Rahmen eines "discussion paper" des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) eine Studie veröffentlicht, die aus dem SOEP generierte Daten auswertete und ein breites Medienecho auslöste, nicht zuletzt weil sie das deutsche Schulsystem ein Stück weit in Frage stellt. Die Studie titelte "Ungleiche Bildungschancen: Welche Rolle spielen Underachievement und Persönlichkeitsstruktur?". Es geht dabei um den Zusammenhang von sozialer Herkunft und dem Phänomen des "Underachievement" (Besuch einer Schule, die unterhalb des Lernpotenzials eines Schülers liegt). Es konnte nachgewiesen werden, dass nicht unbedingt Leistungsunterschiede dazu führen, dass Kinder aus nichtakademischen Familien eher eine Haupt- oder Realschule als ein Gymnasium besuchen, sondern Unterschiede bei den Bildungsentscheidungen (für die in erster Linie Eltern und Lehrer verantwortlich sind). Die schlimme Folge hiervon kann dann sein, dass ein Schüler - auf eine Schule geschickt, die ungeeignet für ihn ist - sein Lernpotenzial nicht in einen Bildungserfolg umsetzen kann und dadurch seine Bildungskarriere im Keim erstickt wird. So wird überdeutlich, wie problematisch das deutsche Schulsystem mit seinen stark reglementierten Zuweisungspraktiken ist und wie viel dafür spräche, Jugendliche erst möglichst spät auf unterschiedliche Bildungswege zu führen.

In Zahlen ausgedrückt kam heraus, dass 30 Prozent der Kinder nach der Grundschule eine Schulform zugewiesen bekommen, die nicht ihrem tatsächlichen Leistungsniveau entspricht - dabei kann dies sowohl zu einer Unterforderung als auch zu einer Überforderung des Leistungspotenzials führen. Jedoch ist für Kinder aus nichtakademischen Familien das Risiko, auf einen Schultyp unterhalb der eigenen Fähigkeiten zu geraten, zweieinhalb mal höher als für Kinder aus Akademikerhaushalten.

Discussion Paper SP I 2009-503 (April 2009)



Jenseits von Konjunktur und Krise lebt nur ein Prozent der Bevölkerung

Im Spätsommer 2009 veröffentlichte das DIW Berlin einen Wochenbericht mit dem Titel "Sorgenfreier Reichtum: Jenseits von Konjunktur und Krise lebt nur ein Prozent der Bevölkerung" (WB 35/2009). Dieser Bericht fand ein interessantes Echo in der Presse, denn in den Medien wurde insbesondere auf einen Aspekt Bezug genommen, der in der Analyse selbst gar nicht an prominentester Stelle stand: Die Sorgen der Reichen um ihre Vermögen. Im Bericht selbst ging Prof. Olaf Groh-Samberg der Frage nach, mit welchen Indikatoren man Reichtum messen kann und wie groß der Anteil der Menschen in Deutschland ist, der sich keine Sorgen um die eigene Wirtschaftssituation machen muss. Tatsächlich liegt der Anteil dieser "sorgenfreien Reichen" an der Gesamtbevölkerung bei lediglich einem Prozent.

In den Medien wurde insbesondere ein Nebenaspekt der Analyse thematisiert, der gern als "Schickedanz-Syndrom" bezeichnet wird: Zwar gibt es heute mehr Reiche in Deutschland als noch vor zehn Jahren, doch immer mehr Millionäre bangen um ihren Wohlstand und fürchten den sozialen Abstieg. Darüber hinaus war es vielen Nachrichtenagenturen natürlich höchst willkommen, darüber berichten zu können, dass insbesondere Beamte und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zu den Reichen ohne materielle Sorgen zählen. (Vgl. etwa Meldungen der AFP vom 26.8.2009 oder der Stuttgarter Zeitung vom 27.8.2009.)



Gute Laune hat auch etwas mit dem Alter zu tun

Das Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung führte in Kooperation mit dem SOEP eine kleine Studie durch, die sich mit der emotionalen Befindlichkeit von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen beschäftigte. Bei dem Methodenexperiment wurden die Teilnehmer mit speziellen Mobiltelefonen ausgerüstet. Im Laufe der Studie wurde jeder Proband 54mal über das Handy kontaktiert und nach seiner momentanen Gefühlslage befragt. Die Auswertung ergab, dass insbesondere sehr junge Menschen negative Gefühle aufrecht erhalten und positive Gefühle sogar bewusst dämpfen wollen. Bei Menschen über 60 Jahren verhielt es sich tendenziell genau anders herum. Wie es zu diesem Stimmungswandel im Laufe des Alterungsprozesses kommt, das muss nun noch genau erforscht werden.

Michaela Riediger, Florian Schmiedek, Gert G. Wagner, Ulman Lindenberger: Seeking Pleasure and Seeking Pain. Differences in Prohedonic and Contra-Hedonic Motivation from Adolescence to Old Age.
Erschienen in der Zeitschrift "Psychological Science", Vol. 20, Nr. 12 (S. 1529-1535) 2009



Das Kind als Karrierebremse

Am 1. April 2009 veröffentlichte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) den neuen Führungskräfte-Monitor, den das DIW Berlin im Auftrag des Ministeriums erstellt hatte. Auch hier lagen Ergebnisse aus dem SOEP zugrunde. Im Führungskräfte-Monitor wird abgebildet, wie sich die Situation von Frauen und Männern in Führungspositionen in den letzten Jahren entwickelt hat. Dazu gehören auch Analysen über Karrierechancen und -risiken sowie geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede. Der Bericht macht deutlich, dass sich seit 2001 so gut wie nichts verändert hat, was den niedrigen Anteil von Frauen in Führungspositionen anbelangt. Nach wie vor sind die Monatseinkommen von vollzeitbeschäftigten Frauen in Führungspositionen rund ein Viertel niedriger als bei den Männern, ebenso fallen Sondervergütungen für Frauen deutlich geringer aus. Hinzu kommt, dass für Frauen ein besonders hohes Risiko besteht, wenn sie eine Familie gründen, also Kinder haben möchten: Der zeitweise Ausstieg aus dem Erwerbsleben hat dann oft ein vorzeitiges Karriereende zur Folge.

Insbesondere um die Jahreswende 2009/2010 nahm sich die Presse dieser Thematik verstärkt an. Wahrscheinlich nicht zuletzt, weil sich seit der Veröffentlichung des neuen Führungskräfte-Monitors nichts geändert hat und die seit 2001 von der Privatwirtschaft versprochenen Verbesserungen sich erneut als bloße Lippenbekenntnisse erwiesen haben. Es wurden viele Artikel veröffentlicht mit Titeln wie "Kinder bremsen Frauen aus" (Focus online, 4.1.2010), "Risikofaktor Kind: Karrieremütter sind noch immer die Ausnahme" (Märkische Allgemeine, Lampertheimer Zeitung und Suedkurier vom 18.1.2010), "Risikofaktor Kind" (Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 2.1.2010).



Living Apart Together

Über dieses Thema haben wir in der Informationsbroschüre für alle Befragten des Jahres 2010 einen Beitrag platziert. Der Begriff "Living Apart Together" wurde bei uns erst vor wenigen Jahren geprägt und findet nun zunehmend Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. So war das Thema etwa der Zeitschrift Brigitte interessant genug für einen mehrseitigen Beitrag, der auch in der Internetausgabe veröffentlicht wurde (18.3.2008). Der Artikel beruft sich ausdrücklich auf Ergebnisse aus unserer Studie LEBEN IN DEUTSCHLAND (SOEP). Darüber hinaus berichtet "Brigitte", dass der 1978 erstmals formulierte Begriff keine wirklich neue Lebensform bezeichnet: früher war diese Form des Zusammenseins jedoch mehrheitlich auf Künstler beschränkt und Menschen, die sich bewusst abseits der bürgerlichen Normen bewegten - man denke nur an Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre oder an Diego Rivera und Frida Kahlo. Heute wird "Living Apart Together" jedoch auch zunehmend als eine Möglichkeit von den verschiedenen Formen des Zusammenlebens akzeptiert und erfreut sich insbesondere bei Paaren jenseits der 40 wachsender Beliebtheit.