Mit diesem neuen Unterpunkt unseres Webauftritts möchten wir Sie auf ein interessantes und relativ neues Zusatzprojekt aufmerksam machen, das im Rahmen von LEBEN IN DEUTSCHLAND entwickelt wurde, inzwischen aber flügge und eigenständig geworden ist.
Eines der Schwerpunktthemen seit den Anfängen unserer Befragung, die Familienbiographie,
erfuhr im Jahre 2003 eine grundlegende Erweiterung. Bis dahin hatten Erwachsene und Jugendliche
Fragen zum eigenen Lebenslauf und -plan beantwortet - nun wurden erstmals auch Mütter gezielt
zu ihren neugeborenen Kindern befragt. Um dann in der Lage zu sein, die weiteren
Entwicklungsverläufe der Kinder sinnvoll nachzuvollziehen, schlossen sich in den Jahren 2005
und 2008 weitere kurze Kinderfragebogen an, die die Eltern der inzwischen zwei- und dreijährigen
Kinder, bzw. später fünf- und sechsjährigen Kinder beantworten sollten. In der Hauptsache
wird nach Daten zur Persönlichkeit und Gesundheit gefragt, zu Fähigkeiten und Fertigkeiten,
zur Betreuungssituation und zu den Freizeitaktivitäten des Kindes, sowie zu Veränderungen
der Lebensbedingungen in der Familie.
Durch diese kontinuierliche Begleitung erhoffen sich die Wissenschaftler, Aufschluss darüber
zu erhalten, welche Bedingungen es sind, die die Entwicklung von Kindern beeinflussen und
wie sie wirken.
Mit diesem Projekt wurde bei uns spannendes Neuland betreten: Der Frage nach den Begabungen und Fähigkeiten der
Kinder sollte auch unter direkter Mitwirkung der Kinder nachgegangen werden. Im Jahr 2008 startete das
Sonderprojekt mit einer eigenständigen Befragung nicht nur der Mütter zu ihren Kindern, sondern auch -
und das ist eben das Besondere - unter der aktiven Miteinbeziehung der Vorschulkinder selbst.
Wie sieht so etwas in der Praxis aus?
Die Kinder vollführen spielerische Tests, die Aufschluss über ihren Entwicklungsstand, ihre Sprach- und Problemlösungsfähigkeiten geben. Aufgabe der Kinder ist es beispielsweise, aus einer Reihe vorgegebener Bilder dasjenige herauszusuchen, das nicht zu den übrigen passt, bzw. zu vorgegebenen Bildern ein weiteres passendes zu finden.
Daneben nehmen die Kinder an Spielen teil, durch die man beispielsweise abschätzen kann, ob ein Kind eher
dazu neigt, Risiken einzugehen oder ob es lieber auf der sicheren Seite bleibt.
Aufgrund der kindgerechten Gestaltung bereitet die Teilnahme an diesen Tests den Kindern in der Regel viel Freude.
Außerdem können die Kinder bei den Spielen Papierchips sammeln und diese anschließend gegen kleine
Geschenke eintauschen, was die Teilnahmemotivation zusätzlich erhöht.
Die Mütter der Vorschulkinder werden in persönlichen Interviews zur allgemeinen Entwicklung ihrer Kinder
und zum häuslichen Umfeld befragt. Zusätzlich nehmen auch sie an spielerischen Tests teil, um Zusammenhänge
zu den Untersuchungsergebnissen der Kinder herstellen zu können.
Bislang wurden zwei Längsschnitterhebungen für dieses Sonderprojekt "Ihr Kind im Alter von 5 oder 6 Jahren"
durchgeführt. Anfang 2008 nahmen etwa 250 Mütter mit ihren Kindern im Vorschulalter an der ersten Erhebung teil,
die direkt in der gewohnten Umgebung der Kinder zuhause stattfand. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen der
Befragten machten deutlich, dass sowohl die Mütter als auch die Kinder gerne an der Studie teilnahmen.
Anschließend wurde die zweite Befragung in Kooperation mit Münchner Kindertageseinrichtungen durchgeführt.
Dabei nahmen die Kinder in den von ihnen besuchten Einrichtungen an den spielerischen Tests teil, die Mütter
wurden in einer gesonderten Interviewsituation befragt. Auch bei dieser Studie war es offensichtlich, dass sich
die Kinder sehr gern an den Rätselspielen beteiligten.
Die ebenso erfolgreichen wie erfreulichen Ergebnisse aus dem Sonderprojekt machen deutlich, welche zentralen Impulse für eine zunehmend differenzierte Weiterentwicklung der Forschung von der Hauptstudie LEBEN IN DEUTSCHLAND ausgehen.